IT Tools und Governance für Traceability

Teilprojekt 2

Stand Juli 2020. Dieses Profil informiert bislang nicht über den aktuellen Arbeitsstand dieses Teilprojektes. Um diesbezüglich informiert zu bleiben, abonnieren Sie einfach unseren Newsletter.

Herausforderungen

Rechtliche und (weitere) gesellschaftliche Anforderungen an Produktionsprozesse und Produkte üben zunehmend Druck aus auf alle Akteure entlang der Lederlieferketten. Sie beziehen sich etwa auf die Herkunft der Häute sowie auf den Chemikalieneinsatz in der Produktion, wobei diese und weitere Aspekte sich mit verschiedenen umweltbezogenen (z.B. Nutzung von Ressourcen wie Fläche und Luft, Ökotoxikologie) und sozialen Indikatoren (Arbeitsbedingungen) verknüpfen lassen. Zugleich ergeben sich Marktchancen für Unternehmen mit „nachhaltigen“ Produkten, insbesondere, wenn sich dies glaubhaft kommunizieren lässt. Um Anforderungen nachkommen und sog. „Green Claims“ absichern zu können, müssen Unternehmen in der Lage sein nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen die Prozesse in ihren spezifischen Zulieferbetrieben ablaufen; mithin ist eine weitreichende Kontrolle der Lieferketten erforderlich (UNECE 2019).

Speziell für das Management der Chemikalien bietet sich an, Strukturen zu etablieren, die eine Rückverfolgbarkeit (Traceability) ermöglichen, welcher Stoff in welchem Prozessschritt zum Einsatz kommt. Damit ist zugleich die Basis geschaffen für Transparenz gegenüber unterschiedlichen Akteurgruppen. Zudem lässt sich auf diese Weise effektiv auf Haftungsfälle reagieren; diese lassen sich zugleich besser vermeiden: Wissen Unternehmen, welche Chemikalien in ihren Produkten vorhanden sind, können sie eine gezieltere Nachfrage bzgl. der in ihren Lieferketten eingesetzten Chemikalien formulieren. Zudem lassen sich auf dieser Grundlage (proaktive) strategische und operative Entscheidungen treffen. Traceability ist damit auch ein zentraler Baustein des unternehmerischen Risiko-Managements. IT-Tools können die erforderlichen Kommunikations- und Kontrollprozesse effektiv und effizient abbilden: So könnten alle Akteure in der Lieferkette an ihren jeweiligen Abnehmer die Daten zu den Chemikalien berichten, die im jeweiligen Verarbeitungsprozess am Produkt angewendet wurden. Da ein solches System ebenfalls die Lieferantenbewertung und Kontrolle unterstützt, senkt es schließlich auch die Bedarfe hinsichtlich kostenintensiver Produkttests (chemische Analysen) im Rahmen des Qualitäts- und Compliance-Managements.

Zusätzlich bedarf es eines institutionellen Rahmens, der unter Berücksichtigung der Anreize und Hemmnisse aller relevanten Akteure „Spielregeln“ definiert. Diese Regeln stellen eine ausreichend gute Qualität der kommunizierten Daten sicher und schaffen damit Vertrauen in das System – eine Grundvoraussetzung für die erwähnten Kostenersparnisse.

Eine solche IT-Infrastruktur und „Governance“ kann ein einzelnes Unternehmen nur schwer durchsetzen; um das volle Potential ausschöpfen zu können bedarf es vielmehr branchenweiter Anstrengungen (Teilprojekt „Harmonisierung“).Vorteile ergeben sich also nicht nur aufseiten von Brands und Handel, sondern auch deren Zulieferer profitieren, wenn branchenweit vereinheitlichte Berichtspflichten den damit einhergehenden Aufwand reduzieren. Zudem kann die gezieltere Nachfrage Chancen in Richtung einer „nachhaltigeren Chemie“ für Nischen-Produkte eröffnen.

Zielsetzung & Projektbeschreibung

Ziel ist, über geeignete IT-Tools und Governance-Mechanismen branchenweite Strukturen zu etablieren, mit der sich eine Traceability der in den Lieferketten eingesetzten Chemikalien erreichen lässt. Dabei sind die berechtigten Interessen der Lieferkettenakteure im Hinblick auf geistiges Eigentum zu wahren. Zugleich ist – auch jenseits der Lieferketten – Transparenz mit Blick auf die sichere Handhabung von Chemikalien und Produkten zu schaffen.

Hierzu müssen die Branche und weitere Stakeholder zunächst gemeinsame Definitionen finden für „Rückverfolgbarkeit“ und, jeweils bezogen auf unterschiedliche Adressaten (innerhalb der Lieferkette, Konsument, Behörden), für „Transparenz“. Kurz- bis mittelfristig sind Brüche in der Informationsweitergabe entlang der Lieferkette zu beheben und Kommunikationsansätze (Safety Data Sheets - SDS) und deren Grundlagen weiter international zu harmonisieren. Machbarkeitsstudien schätzen die Potentiale von IT-Tools und deren Governance ab. Dabei sind unterschiedliche Ansätze hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile zu vergleichen. So fokussiert der aktuelle Diskurs zu IT-Lösungen vorrangig auf noch in der Erprobung befindliche, dezentrale „distributed ledgers“ („Blockchains“). Alle oben genannten Anforderungen lassen sich jedoch auch mit bereits etablierten IT-Lösungen (z. B. Materialdatensysteme – MDS) erreichen. Unmittelbar könnte die Option bestehen, eine Fallstudie zu Leder mit einem MDS im Rahmen des EU-Projekts „LIFE AskREACH“ an der Hochschule Darmstadt durchführen.

Eine Rückverfolgbarkeit der Chemikalien bringt notwendigerweise auch eine Rückverfolgbarkeit der Häute (in den verschiedenen Bearbeitungsstufen) mit sich. Folglich sind auch die dazu vorhandenen Lösungen zu untersuchen, die zum Einsatz kommen im Produkt (z. B. DNA-„Tagging“), am Produkt (z. B. RFID) oder darüber hinaus (z. B. Zertifikate).

Zentrale Fragestellungen - Forschungs- und Transferfragen

1.

Welche Informationen müssen entlang der Lederlieferkette weitergegeben werden; welche Informationen sind weiteren Akteuren (Verbraucher, Behörden) verfügbar zu machen?

2.

Welche Technologien (Hardware / Software) sind verfügbar (oder werden benötigt), um Traceability entlang der Lederlieferkette zu ermöglichen?

3.

Welche systemischen Strukturen und Prozesse (organisationale und interorganisationale Maßnahmen, Verknüpfungen vorhandener Systeme, technische Standards) müssen wie etabliert werden, damit Rückverfolgbarkeit umgesetzt werden kann?

4.

Was sind die Anforderungen an IT-Tools, was müssen diese inhaltlich abbilden und welche Informationen liefern?

5.

Welche Rahmenbedingungen (Governance) unterstützen/gewährleisten die Traceability entlang der Lederlieferkette?

Struktur

Ein Tandem bestehend aus jeweils einer Vertreterin /einem Vertreter der Hochschule Darmstadt sowie aus der Praxis koordiniert das Projekt. Jede/r Interessierte kann an dem Projekt mitwirken. Die Zusammenarbeit erfolgt über Treffen / TelKo / Workshops.

Panel-Koordination

 

Für die Hochschule Darmstadt

Julian Schenten / Eleni Kaluziak

Für die Praxis

tbd

Wesentliche Projektschritte (teilweise parallel verlaufend)

Format

0. Projektgruppe initiieren

Verständigung auf Kurz-Profil, Auftakt-Webinar

1. Begriffe Definieren (Transparenz, Traceability etc.)

Desk-Research, (vorbereitende) Befragungen, (Online-)Webinar

2. Anforderungen an IT-Tools für Traceability &Compliance (Kann- und Muss-Kriterien in user stories) festlegen

Desk-Research, (vorbereitende) Befragungen, (Online-)Webinar

3. Geschäftsmodelle ermöglicht durch Traceability (weiter)entwickeln

Analyse der Anreize und Hemmnisse (AHA) aller maßgeblichen Akteure, Desk-Research (unterstützt durch Ergebnisse vorheriger Projekte)

4. Governance-Rahmen definieren: Welche Berichtspflichten gelten für wen? Wie lassen sich die Qualität und die Zuverlässigkeit der generierten Daten sicherstellen?

AHA, (vorbereitende) Befragungen, (Online-)Webinar

5. Prozesse entlang der Lederlieferkette modellieren in IT

 

6a. Vorhandene IT-Tools und Austauschformate analysieren: erfüllen diese die Anforderungen der Lederbranche?

Desk-Research (gestützt auch Vorarbeiten in AskREACH)

6b. ggf. Fallstudie zu Leder-Produkt im Rahmen des AskREACH-Projekts

Fallstudie mit begleitender wissenschaftlicher Evaluation

7. Taggingsysteme für die realen Produkte analysieren

Desk-Research, ggf. Fallstudien auswerten

8. Ggf. vorhandene IT-Systeme bedarfsgerecht weiterentwickeln

 

Gestalten Sie ein Teilprojekt mit!

Vertreterinnen und Vertreter aus der Lederbranche und verwandten Sektoren sowie aus NGOs, Beratung, Verwaltung und Wissenschaft können an den Teilprojekten mitwirken. Nehmen Sie dazu unverbindlich Kontakt mit der Hochschule Darmstadt auf.

Die Daten werden (gemäß Art. 6 f) DSGVO) zum Zweck der Planung der Teilprojekte ab dem 20.04.2020 gespeichert und verarbeitet. Daneben ist eine Verarbeitung nach Art. 6 I a) DSGVO mit Ihrer Einwilligung zu den von dieser umfassten Zwecken möglich.

Eine Löschung erfolgt unmittelbar nach der Veranstaltung bzw. dem Ende des Projekts; spätestens zum 31.12.2022.

Informationen zu Ihren Rechten finden Sie unter sne.h-da.de/datenschutz. Sie können Ihr Anliegen entweder postalisch oder per E-Mail an den Vertragspartner übermitteln:

Hochschule Darmstadt
s:ne

Haardtring 100
64295 Darmstadt
julian.schenten@h-da.de

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