Harmonisierung von Standards für eine "nachhaltige Lederindustrie"

Teilprojekt 1

Stand Juli 2020. Dieses Profil informiert bislang nicht über den aktuellen Arbeitsstand dieses Teilprojektes. Um diesbezüglich informiert zu bleiben, abonnieren Sie einfach unseren Newsletter.

Herausforderungen

Laut internationalen Verträgen ist bereits bis 2020 sicherzustellen, dass chemische Stoffe im gesamten Lebenszyklus sicher verwendet werden(siehe SDG 12.4 der UN „Agenda 2030“). In Europa trägt hierzu etwadie REACH-Verordnung bei, indem sie die Transparenz zu Stoffen (und deren Eigenschaften) in Produkten erhöht, aber auch Grenzwerte festlegt, z.B. zu problematischenStoffenin Leder. In Drittstaaten,etwa Staaten im asiatischen Raum mit relevanten Exportanteilen von Leder in die EU, existieren keine flächendeckenden, mit derEU vergleichbarstrenge Anforderungen an die Produktion; in der Folge sind die Produktionskosten dort geringer. Zudem sindVollzugsdefizite hinsichtlich der Vorschriften an Umwelt-und Gesundheitsschutz zu konstatieren, sowohl in den Drittstaaten als auch, in geringerem Maße, den EU-Staaten.Die heterogenen Rahmenbedingungen haben zur Folge, dass je nach Produktionsstandard am Standort erhebliche Unterschiede bestehen können in Hinblick auf die Prozesse (z.B. immissions-und emissionsseitige Vorsorgemaßnahmen, Gesundheitsschutz) und daraus entstehende Produkte (z.B. Nachweis von problematischen Stoffen in kritischen Mengen, aber auch Materialqualität). Dies wirkt sich zugleich auf den Wettbewerb aus, in dem die unter vergleichsweise hohen Kosten entstandenen Produkte konkurrieren mit solchen aus einer vergleichsweise billigen Produktion.

Mit dem Ziel einer Harmonisierung der Produktionsbedingungenüber Ländergrenzen hinweg entwickeln Branchen-InitiativenGovernance-Strukturen u.a. mit Instrumenten (z.B. Standards) zum Chemikalien-Management in der Lieferkette (u.a. ZDHC) oder zur Auditierung von Leder (u.a. LWG). Die Organisationen unternehmen zudem Anstrengungen, um die Instrumente zueinander anschlussfähig zu machen. Dies geschieht weil die Instrumente mit Blick auf unterschiedliche Akteurgruppen (z.B. Textile Lieferkette, Gerbereien) entwickelt wurden und zudem unterschiedliche konzeptionelle Designs aufweisen.Nicht zuletzt ist auch zu beobachten, dass solche Initiativen besonders attraktiv sind für gut aufgestellte Vorreiterunternehmen, die damit ihr umweltbewusstes Profil weiter schärfen können. Hingegen fehlt eine Anschlussfähigkeit für die breite Masse an Unternehmen; darunter die eigentlichen „Problemverursacher“.

 

Harmonisierung von Standards für eine Nachhaltigere Lederchemie (Teilprojekt 1)

Zielsetzung & Projektbeschreibung

Ziel ist es, ausgehend von einer Analyse der bestehenden rechtlichen und privaten Standards (sowie deren Umsetzung), einen Beitrag dazu zu leisten, dass diese harmonisiert und dabei ggf. optimiert werden. Zentrale Akteure sind dabei  die genannten vorwiegend privatwirtschaftlichen Governance-Arrangements sowie multi-stakeholder Organisationen wie das UNIDO Leder-Panel. Gelingt auf dieser Ebene eine Angleichung von Standards und Empfehlungen in Richtung einer international harmonisierten Lederproduktion, können davon Impulse auf die Gesetzgeber ausgehen. Das Projekt zielt zudem darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in angemessener Weise in Gesetzgebungsverfahren einzuspeisen.

Inhaltich besonders im Fokus stehen der Einsatz und die Bewertung von Chemikalien, Arbeitsbedingungen und Wissenstransfer in der Lieferkette sowie ggü. dem Verbraucher. Dabei verfolgt das Projekt einen holistischen Ansatz, der die Anforderungen aller relevanten Akteure integriert und daraus Qualitätskriterien für die Bewertung unterschiedlicher Ansätze entwickelt. Optimierungen können z.B. darin bestehen, dass sich die Konvergenz bestehender Systeme erhöht (z.B. Anerkennung durch System A von Leistungen eines Unternehmen in System B), ein höheres Niveau der materiellen Anforderungen entsteht, neue Strukturelemente entstehen (Gremien, Instrumente etc.) oder sich Rollen ändern. Ein weiterer angestrebter Output sind Empfehlungen an Gesetzgeber und (internationale) Organisationen.

Zentrale Fragestellungen - Forschungs- und Transferfragen

1.

Welche Anforderungen bestehen an einen internationalen Standard für eine "nachhaltigere Lederchemie"?

2.

Welche relevanten rechtlichen und privaten Standards existieren und wie ist jeweils der Umsetzungsstand?

3.

Welche Lücken („Delta“) bestehen zwischen 1. und 2. und welche Optionen bestehen, um diese zu reduzieren?

Struktur

Ein Tandem bestehend aus jeweils einer Vertreterin / einem Vertreter der Hochschule Darmstadt sowie aus der Praxis koordiniert das Projekt. Jede/r Interessierte kann an dem Projekt mitwirken. Die Zusammenarbeit erfolgt über (Online-)Treffen und Workshops.

Panel-Koordination

 

Für die Hochschule Darmstadt

Julian Schenten

Für die Praxis

tbd

Projektschritte

Wesentliche Projektschritte (teilweise parallel verlaufend)

Format(e)

0. Projektgruppe initiieren

Verständigung auf Kurzprofil; Auftaktwebinar

1. Gruppe durch relevante Akteure erweitern (u.a. internationale Organisationen wie UNIDO)

Netzwerkanalyse, vorhandene Kontakte nutzen; „Sponsoring“

2. Ziel bestimmen: Relevante Kriterien / Anforderungen des zu entwickelnden Standards identifizieren, räumlicher und persönlicher Anwendungsbereich festlegen etc.

Vorarbeit mittels Befragungen (quantitativ + qualitativ); abschließender (Online-)Workshop

3. Vorhandene Standards analysieren (mit Umsetzungspraxis): Inwieweit sind vorhandene Standards kongruent / weichen voneinander ab? Wo bestehen Lücken zur Zielsetzung?

Vorarbeit mittels (Literatur-)Recherche, Experteninterviews; abschließender (Online-)Workshop

4. „Runder Tisch“ / Zentrales (Multi-Stakeholder) Entscheidungsgremium gründen

 

5. Strategie entwickeln im Hinblick auf „Harmonisierung von Leder-Standards bis XXX“ (z.B. 2035)

Vorarbeit mittels Befragungen (quantitativ + qualitativ); abschließender (Online-)Workshop

6. Maßnahmen gemäß Strategie umsetzen, u.a.:

 

6a. Vorhandene Standards weiterentwickeln

Experteninterviews, Kreativworkshop

6b. Geschäftsmodelle für unterschiedliche Akteure entwickeln

(Literatur-)Recherche, Experteninterviews

6c. strategische Partnerschaften aufbauen (z.B. mit Akteuren in Drittstaatendefinieren)

Netzwerkarbeit

6d. Monitoringkonzept für Erfüllung des Standards erarbeiten (Indikatoren etc.)

Befragungen (quantitativ + qualitativ), Kreativ-Workshop

7. Verbreitung sicherstellen

„Werbetour“, Policy Papers erstellen, zentrale Vermittler einbinden

Gestalten Sie ein Teilprojekt mit!

Vertreterinnen und Vertreter aus der Lederbranche und verwandten Sektoren sowie aus NGOs, Beratung, Verwaltung und Wissenschaft können an den Teilprojekten mitwirken. Nehmen Sie dazu unverbindlich Kontakt mit der Hochschule Darmstadt auf.

Die Daten werden (gemäß Art. 6 f) DSGVO) zum Zweck der Planung der Teilprojekte ab dem 20.04.2020 gespeichert und verarbeitet. Daneben ist eine Verarbeitung nach Art. 6 I a) DSGVO mit Ihrer Einwilligung zu den von dieser umfassten Zwecken möglich.

Eine Löschung erfolgt unmittelbar nach der Veranstaltung bzw. dem Ende des Projekts; spätestens zum 31.12.2022.

Informationen zu Ihren Rechten finden Sie unter sne.h-da.de/datenschutz. Sie können Ihr Anliegen entweder postalisch oder per E-Mail an den Vertragspartner übermitteln:

Hochschule Darmstadt
s:ne

Haardtring 100
64295 Darmstadt
julian.schenten@h-da.de

Weitere Teilprojekte

  • Teilprojekt #1 – Harmonisierung von Standards für eine "nachhaltigere" Lederchemie

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