Nachhaltigere Chemie in den Lederlieferketten

„Bis 2020 einen umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien und allen Abfällen während ihres gesamten Lebenszyklus“ erreichen – zu diesem Ziel haben sich die Vereinten Nationen im Rahmen des UN Nachhaltigkeitsziels (Sustainable Development Goal – SDG) 12 verpflichtet. Erforderlich hierfür ist eine Transformation von Produktions- und Konsumweisen entlang von globalen Lieferketten. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Projekt den Herausforderungen entlang der Lieferketten von Ledererzeugnissen. Das Team setzt sich interdisziplinär zusammen (u.a. Naturwissenschaftler, Ingenieure, Juristen, Designforscher, IT-Spezialisten, Betriebswirte). Der wechselseitige Transfer mit der Praxis steht im Vordergrund (Transdiziplinarität). Hierzu hat sich die Hochschule bereits strategisch vernetzt, z. B. mit Multi-Stakeholder Initiativen (UN Sustainable Textile and Leather Traceability and Transparency Projekt, Textile Exchange Responsible Leather Projekt). Auf dieser Website finden sich Einzelheiten zum Projektkontext und den Herausforderungen, zur Systeminnovation als Bewältigungsansatz, sowie zu den Möglichkeiten für die Praxis, an konkreten Lösungsvorhaben mitzuwirken.

Aus Tierhaut das haltbare Material Leder zu fertigen, bedarf eines komplexen Gerbprozesses, in dessen Verlauf eine Vielzahl von mitunter problematischen Chemikalien zum Einsatz kommt. Die genauen Prozessbedingungen hängen in erster Linie von der jeweiligen Endanwendung (Auto-Armatur, Brillen-Etui, Kleinkind-Stiefel etc.) ab und den damit verbundenen  gewünschten Materialeigenschaften. Die Herstellung von Leder und Lederwaren erfolgt nur noch zu einem geringen Teil in Europa. Hingegen haben sich die Lieferketten an Standorte verlagert, mit üblicherweise geringeren Standards im Hinblick auf den Schutz der Umwelt, von Arbeitnehmern und Verbrauchern sowie hinsichtlich des Tierwohls. Eine „nachhaltigere Chemie“ ermöglicht nicht nur ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt, sondern hilft auch dabei, Unternehmensrisiken (Compliance-Verstöße, Haftungsfälle, Reputationsschäden) zu mindern. Will man eine nachhaltigere Chemie in der gesamten Lieferkette erreichen, gilt es für die maßgeblichen Akteure – d.h. insbesondere Lieferanten von Chemikalien (Formulierungen als Leder-Hilfsstoffe), Gerbereien, lederverarbeitende Betriebe (Hersteller von Zwischen und Endprodukten), sowie Markenhersteller (“Brands“) und Handel – einige Herausforderungen zu überwinden.

Die Herausforderungen im einzelnen

Will man die globalen Wertschöpfungsketten zu Ledererzeugnissen in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung verändern, so sind Veränderungen eines komplexen Systems erforderlich. Dies erfordert mithin auch komplexe Lösungen, die auf unterschiedlichen Ebenen greifen: Eine Systeminnovation kombiniert technische Innovationen mit organisationalen Innovationen (z.B. betreffend Kooperations- und Kommunikationsformen) und bettet diese ein in einen institutionellen Kontext, der Regeln und Verantwortlichkeiten definiert. Auf dem Weg zur Systeminnovation einzubeziehen sind alle relevanten Akteure mit ihren spezifischen Rahmenbedingungen, Anreizen sowie Hemmnissen. Es gilt sodann den Systemblick der Akteure zu schärfen, damit diese ein gemeinsames Problemverständnis und darauf aufbauend Lösungsstrategien erarbeiten können.

Will man die globalen Wertschöpfungsketten zu Ledererzeugnissen in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung verändern, so sind Veränderungen eines komplexen Systems erforderlich. Dies erfordert mithin auch komplexe Lösungen, die auf unterschiedlichen Ebenen greifen: Eine Systeminnovation kombiniert technische Innovationen mit organisationalen Innovationen (z.B. betreffend Kooperations- und Kommunikationsformen), d.h. es entstehen neue Geschäftsmodelle. Dies alles ist zudem eingebettet in einen institutionellen Kontext, der Regeln und Verantwortlichkeiten definiert. Auf dem Weg zur Systeminnovation einzubeziehen sind alle relevanten Akteure mit ihren spezifischen Rahmenbedingungen, Anreizen sowie Hemmnissen. Es gilt sodann den Systemblick der Akteure zu schärfen, damit diese ein gemeinsames Problemverständnis und darauf aufbauend Lösungsstrategien erarbeiten können.

Systeminnovation für eine nachhaltigere Lederchemie

In mehreren Teilprojekten sind Lösungsoptionen im Hinblick auf die genannten Herausforderungen zu untersuchen. Dazu ergaben Strategieworkshops sehr unterschiedliche Ansätze. Entscheidend ist jedoch die „Hebelwirkung“ der Ansätze, zu der eine Einschätzung seitens des Praxis erfolgte. Vor diesem Hintergrund starten zunächst diejenigen Teilprojekte, von denen sich die größten Effekte in Richtung einer „nachhaltigeren Chemie“ in den Lederlieferketten erwarten lassen. Gemeinsam adressieren die Teilprojekte unterschiedliche Aspekte der erforderlichen Systeminnovation. Jede Person oder Organisation, die einen Beitrag zur Erreichung der Ziele in den Teilprojekten leisten möchte, kann an diesen mitwirken.

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  • Teilprojekt #1 – Harmonisierung von Standards für eine "nachhaltigere" Lederchemie

    Eine weitere Harmonisierung von Standards in der Produktion von Leder und Lederprodukten soll bestehende Unterschiede im internationalen Rahmen reduzieren und somit das Qualitätsniveau insgesamt anheben sowie Wettbewerbsverzerrungen reduzieren.
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  • Teilprojekt #2 – IT Tools und Governance für Traceability

    Der Aufbau eines branchenweiten, IT-basierten Austauschformates und von Konventionen, um Chemikalien entlang der Lederlieferketten rückverfolgen zu können (Traceability), stärkt Abnehmer bei ihren Compliance- und Qualitätsbestrebungen und ermöglicht eine zielgerichtetere Nachfrage.
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  • Teilprojekt #3 – Chemikalien und Prozessinnovation

    Die Zukunft der Herstellung von Lederchemikalien sollte auf einem ganzheitlichen Ansatz beruhen, der basierend auf ökobilanziellen Untersuchungen diejenige Lösung präferiert, von der die geringsten Belastungen für Mensch und Umwelt ausgehen.
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  • Teilprojekt #4 – Leder-Designguidelines für Nachhaltige Entwickung

    Eine „nachhaltigere Lederchemie“ wirkt sich oftmals auch auf das Ledermaterial aus. Leder-Designguidelines geben Orientierung für die Auswahl von Lederarten für verschiedene Anwendungen, sowie zu deren gestalterischen Inszenierung als attraktive Produkte.
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Kontakt

Dr. Julian Schenten

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Laufenden Konsumentenbefragung im "s:ne Bürgerpanel"

Inwieweit sind Konsumentinnen und Konsumenten sensibilisiert für das Thema Chemikalien in Leder? Wo lassen sich in den Einstellungen von...

 

Aktuelle Veröffentlichungen

Julian Schenten, Martin Führ, Silke Kleihauer und Joana Schönborn, Traceability as driver for more sustainable chemistry in the global textile supply chains, in: Current Opinion in Green and Sustainable Chemistry (Vol 19), October 2019, p. 87-93.
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Patrick Rojahn, Oliver Ruß, Lars Gössl, Matthias Kroschel, Frank Herbstritt, Joachim Heck und Frank Schael, Mixing Performance in a Distributed-Feed Plate-Type Reactor with Multinozzle Injection for Fine Chemical Production Scale, in: Industrial & Engineering Chemistry Research (Vol 59), January 2020, p. 3655 – 3668.
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